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“Ellenbogen-Gedränge” in der Galerie Tabularasa. Der Fuldaer Künstler Bernd Baldus präsentierte seine kritischen, nach- denklich stimmenden “Blues”-Bilder im Fuldaer Kunstverein.
Die Vernissage- besucher wurden eingestimmt mit Evergreens und Jazzmotiven zweier Bandmitglieder von Papa Hiebers Dixie-Schiebern. Bernd Baldus selbst griff zur Gitarre und erinnerte an Bert Brecht: Der
singende Sozialhelfer, Meisterzeichner, Grafiker und Kunsttherapeut Bernd Baldus sang hingebungsvoll den Macky- Messer-Song seines literarischen Vorbilds. Ähnlich wie Brecht übt Baldus auf seinem
kultursoziologischem Gebiet der Kunst scharfe “seismographisch” erschütternde Gesellschaftskritik. “Menschliches, allzu Menschliches” spiegeln seine Zeichnungen und Radierungen wider - jedes Bild fast wie ein Aphorismus
mancher Philosophen von Schopenhauer über Nietzsche bis Lichtenberg. Die in Bluesstimmung ein- gefangene Gesellschaftskritik, die kritische Durchleuchtung der Gesellschaft ist aber nicht nur “ätzend”, der
“Blues” offenbart auch die Liebe zum Leben. Der Vorsitzende des Fuldaer Kunstvereins, Dr. Hartmut Krüpe, bezeichnete die Ausstellung als eine “Herausforderung”. Anknüpfend an den Titel der Ausstellung “Heavy Blues -
Schwarz und Blau auf Weiß” mit zahlreichen kritischen Menschendarstellungen erinnerte Krüpe an die soziologische und musikaliche Geschichte des Blues. Bernd Baldus ist seit Jahrzehnten eine bedeutende Figur bei
vielen wechselnden Partien des “Brettspiels” der Kunst in |
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Osthessen. Seinen ironischen, humor- vollen, oft auch grotesken Zeichnungen und Karikaturen war schon häufig zu begegnen bei Ausstellungen in der Kunststation Kleinsassen, in Fulda bei den Jahresaus-
stellungen osthessicher Künstler oder in der Burghauner Galerie Liebau. Wo anfangen und wo aufhören beim Rundgang durch die Ausstellungsräume der Galerie Tabularasa? Da wäre etwa das Bild eines Generals und Diktators zu
nennen, von denen es viele nicht nur in Südamerika und Afrika gibt. ”Die Unwürde des Menschen ist antastbar” hat Bernd Baldus seinem Generaldiktator mit der prachtvollen Militärmütze in den Mund gelegt. 1986 war die
Radierung/Aquatinta entstanden, die partiell handkoloriert ist. Ins Politische verweisen auch zwei kritisch abwertende Bilder von Neonazis beim “Deutschen Gruß” oder beim Aufmarsch mit Fahnen. Manchmal genügt dem Maler
schon die sprichwörtliche Ausdeutung eines Spruches oder eine Redewendung wie “Perlen vor die Säue werfen”. Er hat Borstenvieh gemalt, das sich an Perlen auf dem Boden vergnügt. Eine “Puffotter” mit BH gehört
ebenfalls zu den tierischen Karikaturen, diesmal in die feminine Richtung zielend. “Ohne Trauschein” sitzen zwei verliebte Männer auf dem Sofa, ein Hund zwischen Ihnen. Auf dem Bildschirm in der Ausstellung lässt
sich eine hr-Sendung über Baldus verfolgen. Die Ausstellung im Kunstverein, dem Bernd Baldus (noch) nicht angehört, ist anregend und vielseitig und braucht viel Zeit und Muße. |
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